Westfälische Nachrichten: "Wie gründet man ein Unternehmen"

Zwei 16-Jährige antworten

Von Jan Focken

Münster. Die Idee zu ihrem eigenen Unternehmen kam den beiden Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in einem Café in Köln. Das war an einem Freitag, die Geburtsstunde für „fair+friendly — Möller & Wessels PC-Hilfsdienst GbR".

Aber die Idee, ein Unternehmen zu gründen, reicht nicht aus. Das lernen zurzeit bundesweit auch die Schüler, die am Wettbewerb „StartUp — Gründungswerkstatt" mitspielen. Tim Wessels und Lars Möller haben es im richtigen Leben ausprobiert, nicht als fiktive Jung-Unternehmer wie im Wettbewerb.

Hier nun einige Schritte, ohne die kein Unternehmen sich auf den Markt trauen darf. Die Kriterien sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit den Einführungsveranstaltungen von „StartUp — Gründungswerkstatt" bei der Sparkasse entnommen:

Rechtsform: Schnell war für Tim Wessels und Lars Möller klar, dass nur eine OHG, eine offene Handelsgesellschaft, oder eine GbR, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, in Frage kam. „Beide benötigen keinen Eintrag ins Handelsregister. Das war eine Frage des Geldes und des Alters", erklären die Jungunternehmer. Nachfragen bei der Industrie- und Handelskammer und Behördengänge zum Gewerbeamt und zum Vormundschaftsgericht folgten, denn die Eltern mussten dem Anliegen ihrer Kinder zustimmen. „Im Gewerbeamt haben die Bediensteten erst mal in Büchern gestöbert. Keiner war sich so ganz sicher mit der Genehmigung für zwei Minderjährige."

Die Geschäftsidee: Die angemeldete Tätigkeit lautet „EDV-PC-Hilfsdienste, zum Beispiel Fehlersuche, Einrichten von Hard- und Software". Die beiden haben das zum Geschäft gemacht, was sie ohnehin die ganze Zeit unentgeldlich, zu Hause oder auch in der Schule, gemacht haben. „Könnt ihr uns mal helfen", war ein Satz, den die Computerexperten häufig zu hören bekamen.

Marktsituation: „Jeder, der einen Computer hat, ist unser potenzieller Kunde", meint Lars Möller. „Klar gibt es so etwas schon", wissen die beiden auch. Aber sie verweisen auf messerscharf kalkulierte Preise: „Keine Anfahrtskosten, kein Grundpreis und nur 50 Mark pro angefangener Stunde." Für einen PC-Hilfsdienst ist das günstig, in den Ferien jobbende Schüler können von dem Stundensatz nur träumen.

Personalentscheidungen: Zunächst haben Lars Möller und Tim Wessels einen Gesellschaftervertrag geschlossen, der den Aus- und Einstieg von Gesellschaftern erleichtert. Und auch die Aufgabenverteilung steht: „Ich bin mehr für die Hardware-Probleme zuständig und Tim für die Software und das Internet", erklärt Lars Möller.

Vertrieb: „Wir entscheiden über Aufträge auch geographisch." Wer näher am Kunden wohnt, der radelt los. Durch Hauspost und Flyer werben sie und steuern ihr Arbeitsaufkommen: „Wenn wir Klausuren schreiben müssen, legen wir einfach keine Werbung aus."

Marketing: Der Kunde ist König, nicht nur wegen der gebührenfreien Rufnummer von fair+friendly. „Obwohl wir als PC-Hilfsdienst werben, haben wir auch Anfragen für die Gestaltung von Internetauftritten." Sie überlegen jetzt, ihre Geschäftstätigkeit und ihren Radius, der sich bisher auf Kinderhaus beschränkt, auszudehnen sei.

Werbung: „Die Flyer im Supermarkt haben sich als optimal erwiesen. Die nehmen nur Leute mit, die diese Information wirklich brauchen."

Finanzplan: „Unsere Kos­ten sind nicht allzu hoch ­die Gebühren für die 0800-Rufnummer, Tinte und Pa­pier." Für die Firmen-Zentrale brauchen sie keine Miete zahlen, die befindet sich in Tim Wessels Zimmer. Rücklagen, eventuell für einen neuen PC, stellen die beiden vorsichtshalber zurück. Von der Steuerfreibetragsgrenze sind sie jedoch weit entfernt.

www.fairandfriendly.de

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